Kosmetikinstitute: Für Gesicht und Seele.
Zehntausende Kosmetikerinnen bieten ihre Dienstleistung an. Da ist es nicht immer einfach, die richtige zu finden.
Claudia Schiffer, Joan Collins und Judy Foster lächeln von der Fotowand des Promi-Salons. Sie alle haben sicch hier schon pflegen, schminken und beraten lassen. Zeugnisse unantastbarer Qualität. Schließlich haben Stars weltweit freie Auswahl unter den Schönheitspflegern. Warum sich also nicht an den Damen der Famourwelt orientieren?. Gesagt, getan. Zehn Tage später sitzt man in demselben Salon. Mit einem kleinen Unterschied: "ich" werde nicht vom chef persönlich umhengt, sondern von einer Kosmetikerin. Die Dame in Schwarz ist freundlich, aber distanziert. Nicht eine Anekdote über magersüchtige Models, liebestolle Schauspieler oder sonstige Exzesse aus der Welt der Stars und Sternchen. Schade eigentlich. Aber Diskretion bürgt für Seriosität. Wohlig wärmt der warme Wasserdampf ihr Gesicht. Die Lady in Block widmet sich geschäftig ihren Hautunreinheiten. Mit Metallstäbchen rückt sie den Mitessern zu Leibe, das Skalpell besorgt Gröberes. Beinah unbemerkt gleiten die Instrumente in ein Glas zurück, wo sie sich unbeirrt unter Puderpinsel und Kajalstifte mischen. Ein Desinfektionsbad ist nicht in Sicht. Dick trägt die Kosmetikerin eine kühlende Maske auf, ihr Gemüt beruhigt sich. Baumwipfelwehen, Wasserfallgeplötscher und Vogelgezwitscher dingen aus dem Kopfhörer und lullen sie ein. Die Kosmtikerin verlässt den Raum, sie (Patientin) fällt in einen Dämmerschlaf.
Rauch vermiest Massage
Nach ihrer Zigarettenpause steht sie wieder an erster Stelle. Die Kosmetikerin massiert sanft mein Gesicht. Aber es dauert eine Weile, bis sich die duftige Creme gegen den Nikotingeruch durchsetzt.. ,,Normale Haut für das Alter, nur die Augenfältchen könnten weniger sein", lässt sie die Patientin wissen. Vielleicht hilft ja eine gute Creme ? Diese Hoffnung erstickt die Strarpflegerin im Keim. Sie empfiehlt nicht einmal die hauseigenen Produkte.
Blass und speckig kommt die Patientin aus der Kabine. Das Make-up hätte 17 Euro extra gekostet. Überraschung dann an der Kasse: Anstelle eines Computers horstet eine Blechbpchse die Tageserträge. Mit einer Karte konnte man also nicht bezahlen. Hier ist nur Bares errwünscht. Trotzdem fühlt man sich danach entspannt, gemocht, gepflegt. Wer massiert sonst schon eine halbe Stunde das Gesicht? Dafür sind 77 Euro vielleicht sogar angemessen. Aber meine test-Kollegin belehrt mich eines Besseren: Ihre Behandlung hat mit 39 Euro gerade mal die Hälfte gekostet- inklusive Tages-Mape-up. Allerdings noch nicht im Promi-Salon, sondern im Laden um die Ecke. Zwar hängen dort keine Starfotos, dafür aber ein Zeugnis, das die Inhaberin als staatlich geprüfte Kosmetikerin ausweist. Keine Lady in Black, sondern eine im weißen Kittel legt hier Hand an. Die ehemalige medizinisch-technische Assistentin erfragt Allergien und Krankheiten für eine vorsichtige Behandlung. Im blütenweißen Labor sorgt ein Massagestuhl für Entspannung. Die Augen mit Pads gekühlt, die geplatzten Äderchen mit Kompressen geschützt, wird Wasserdampf auf Gesicht und Dekolleté angesetzt. Schritt für Schritt erklärt die Fachfrau die Behandlung: Erst das Peeling, dann die Pickel weg, dann die Maske. Meine Kollegin ist rundum zufrieden: ,,Das sollte man sich öfters mal leisten!" Ganz anders die Erfahrungen in einem zufällig ausgewählten Bio-Institut: Mit ätherischen Ölen, fernöstlicher Musik und Glückshoroskopen harmoniert das spirituelle Ambiente ganz und gar nicht mit der behandelnden Person. Solariumgebräunt, weißblond gefärbt, mit langen, roten Fingernägeln begrüßt die Urberlinerin ihre Kundin: ,,Keene Angst, ich bin eene von den janz Sanften."
Dann kommt sie ins Erzählen: Abends im Schnellkurs, tagsüber im Büro, das ist ihre Ausbildung. Was an der Biokosmetik wirklich bio ist, weiß sie nicht so genau: ,,Natürlich ist auch etwas Chemie dabei, aber besser als Ihre Creme ist das allemal", rügt sie die altbekannte Allzweckcreme im blauen Tiegel.
Bio mit roten Augen
Endlich wird unsere Probandin aus der ,,biologischen" Behandlung entlassen. Wenn auch die langen Nägel keine Spuren bei der Gesichtsmassage hinterlassen haben, die Duftöle sind ihr nicht bekommen. Mit kaninchenroten Augen entflieht sie dem meditativen Umfeld. Dass die Behandlung zu allem Überfluss teurer als vereinbart war, verrät erst die Rechnung: Dort schlägt eine Zusatzampulle mit 10 Euro zu Buche.
Glück gehabt hat unsere Kollegin, die zum ersten Mal bei einer Gesichtsbehandlung war. Das Interieur des Salons gant in Rosé ist noch dasselbe wie am Eröffnungstag vor 25 Jahren. Gewrahmte Zerfikate attestieren die ausbildung bei einer Pariser Traditionsfirma.
Zurückhaltend, aber stets um die Kundin bemüht, verliert die Kosmetikerin auch das Buget des Neulings nicht aus dem Blick. Wenn man mal ein neues Produkt ausprobieren wolle, dann solle man klein anfangen. Sprach's und füllte einen Probetiegel ab. Das Urteil der Testerin: sehr vertrauenbildend. Trotzdem, einen kleinen Schönheitsfehler hatte auch dieser Besuch: Die Behandlung war schon nach einer Stunde abgeschlossen, in der Regel dauert sie eineinhalb.
"Die Stichproben zeigen: Es gibt nur wenige allgemeine Anhaltspunkte für das richtige Institut. Letzlich ist eine gute Kosmetikerin eine, die auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Kunden eingeht. Auch ich gebe die Hoffnung nicht auf und mache einen Termin im Promi-Salon: Vielleicht färbt ja beim zweiten Anlauf ein wenig Glamour auf mich ab,"
Die perfekte Gesichtsbehandlung:
Die Gesichtsbehandlung ist eines der gefragstesten Angebote im Kosmetikinstitut. Ihr stolltet etwa eineinhalb Stunden dauern und Gesicht, Hals und Dekolleté(ansatz) umfassen. Der Preis liegt etwas zwischen 45 und 75 Euro. Achtung: Wird weniger verlang, besteht die Gefahr, dass der Umsatz durch Verkauf von Kosmetika gesteigert werden soll.
- Reinigen und Klären: Mit einem zum Hauttypen passenden Reinigungspräparat werden Make-up und Hautablagerungen entfernt. Zur Klärung wird ein Gesichtswasser benutzt.
- Augenbrauen fassonieren: Nach dem Klären oder nach dem Ausreinigen werden die Augenbrauen in Form gezupft. Achtung: Bei starkem Wuchs kann das extra kosten.
- Peeling: Mit einem Peeling wird die Haut gründlich gereinigt. Dampf oder warme Kompressen öffnen die Poren und erleichtern das Ausreinigen. Achtung: Dampfmaschinen sind bei geplatzen Ädcherchen nicht zu empfehlen.
- Ausreinigen: Hautunreinheiten sollten schonend ausgedrückt werden. Eine gute Behandlung hinterlässt kaum rote Flecken.
- Maske: Zur Beruhigung und Pflege der Haut wird eine Maske aufgebettet, die einige Zeit einziehen sollte.
- Massage: Vor und nach der Maske sollte das Gesicht mindestens 20 Minuten massiert werden.
- Pflege und Make-up: Die überschüssige Pflege sollte mit warmen Kompressen abgenommen werden. Anschließend gibt es ein Tages-Make-up.
Reklamation: Eine Gute Kosmetikerin bietet bei Problemen eine kostenlose Nachbehandlung an. Produkten sollten zurückgenommen werden.
Checkliste: Kosmetikinstitute
- Kosmetikerin: Lange Fingernägel (Verletzungsgefahr) und zu braune Haut (Krebsgefahr) lassen mangelnde Fachkenntnisse vermuten.
- Gesundheit: Allergien und Krankheiten wie Diabetes müssen vor der Behandlung besprochen werden.
- Intimität: Die Kabinen sollten nicht nur durch Vorhänge getrennt sein. Gespräche von nebenan oder laufende Waschmaschinen stören.
- Hygiene: Benutzte Instrumente gehören in den Sterilisator oder ins Desinfektionsbad, Zigaretten, Lebensmittel und Getränke nicht in die Kabine.
- Produkte: Ihr solltet für verschiedene Hauttypen und Preislagen vorrätig an. Die Kosmetikerin muss Inhaltsstoffe und Wirkung erklären können.
- Preise: Preislisten sollten aushängen. Auf Extras und Zusatzkosten sollte unbedingt hingewiesen werden.