Anti-Aging-Cremes: Mikroskopische Erfolge.
Anbieter von Anti-Aging-Cremes werben massiv mit der Glättung von Falten. Was sie nicht verraten: Der Effekt ist mit bloßem Auge kaum sichtbar und oft schon am nächsten Tag vorbei.
,,Festigt und stafft die Haut mit sofortiger und nachhaltiger Wirkung", verspricht der Hersteller Clinique. ,,Schon nach einer Woche sind die Gesichtskonturen klarer, zarte Falten und Linien sind weniger sichtbar", behauptet Helena Rubinstein. Und Florena propezeit: ,,Bei regermäßiger Anwendung wird die Tiefe vorhandener Fältchen schon nach viel Wochen deutlich reduziert."
Wer aber Werbung, Verpackungen oder Beipackzettel als Garantie für eine faltenfreie Zukunft versteht, der hat sich geirrt. Die STIFTUNG WARENTEST hat die Wirkung von 14 Produkten unter die Lupe genommen. Der Test beweißt: Cremes können falten weder nachhaltig noch deutlich sichtbar glätten.
Wir haben ausschließlich Cremes getestet, die mit Faltenminderung beworben werden. Je 30 Frauen zwischen 32 und 78 Jahren haben jedes Produkt vier Wochen lang auf der einen Gesichthälfte aufgetragen, auf der anderen eine Standardemulsion für Testverfahren zum Vergleich. Anschließend wurde die Faltentiefe gemessen.
Das Ergebnis: Anti- Aging- Cremes reichern die Haut- wie andere Cremes auch- mit Fett und Feuchtigkeit an, dadurch wird sie praller und glatter.
Die Crux: Mit bloßem Auge, ist die Faltenminderung kaum sichtbar, erst spezielle Messgeräte bringen sie an den Tag. Und: Nur die Hälfte der gesteten Anti- Aging-Produkte hat bei der ,,messbaren Hautglättung" besser abgeschnitten als die Vergleichsmulsion. Für mehr Feuchtigkeit als die Vergleichsemulsion sorgten gerade mal vier Antifaltencremes. Acht Produkte schnitten mit der Gesamtnote ,,gut" ab und sechs mit ,,befriedigend". Ein ,,sehr gutes" test-Qualitätsurteil konnte nicht vergeben werden, weil keiner der Cremes in der Lage ist, Falten wirklich sichtbar zu glätten.
An jeden Mikrometer geklammert
Also kein Grund zur Euphorie. Selbst die besten Cremes haben nur eine minimale Verbesserung des Hautbilds um einige Mikrometer, sprich Bruchstücke von Millimetern, bewirkt. Und ob eine Falte nun von etwa 0,200 Millimetern um 0,010, 0,020 oder 0,030 Millimeter gemindert wurde, spielt kaum eine Rolle. Denn was Mikroskop und Computer spielend nachweisen, ist für den Menschen eine Wahrnehmungsproblem.
DEeshalb sind werbwirksam aufbereitete Studien in Hochglanzmagazinen auch mit Vorsicht zu genießen. Selbst der Industieverband Körperpflege und Waschmittel, Frankfurt/Main, weißt darauf hin, dass die Anbieter in einigen Fällten nur einen Teil der Produktwirkung darstellen: " Zum Beispiel Faltentiefe in Gegensatz tz Faltensichtbarkeit."
Nicht besser als Normalos
Fazit: Im Schnitt sind Anti-Agung-Cremes nicht besser, aber auch nicht schlechter als andere Tagescremes. Auch bei der Naturkosmetik und unter den Produkten für trockene Haut schnitten viele Cremes gut ab.
Wichtigste Voraussetzung für eine gute gesichtscreme ist eine gute Basis, um die Wirkstoffmeloküle überhaupt in die oberste Hautschicht zu transportieren. Aber noch lange nicht jede Konsumentin verträgt auch alle Zutaten. Von den getesteten Antifaltencremes weist allein der Anbieter Eucerin im Beispackzettel der Retinol-Intensivcreme auf eventuelle ,,Rötungen oder Kribbeln" hin. Aber auch Parfüm, Konservierungsstoffe und Sonnenschutzfilter tun nicht jeder Haut gut. Für alle, die mit empfindlicher Haut oder Allergien Probleme haben.
Mit Wirkstoffen wetteifern
In der Kosmetikbranche herrscht ein wahrer Wirkstoffwettbewerb. Galt in den Anfängen der Geschichte von Faltencremes noch Kollagen als rezept für die ewige Jugend, so wurde es bald durch Fruchtsäuren abgelöst. Mittlerweile preisen Anbieter das Coenzym Q 10 als Faltenfeind Nummer eins. Viel Wind um (fast) nichts. Denn alle Produkte haben einen temporären Polstereffekt durch Wasser und Wirkstoffe, die sich auf die Haut legen oder sich in der oberen Hautschicht ansammeln. Der Unterschied liegt oft allein im Preis: So kostet die Antifaltencreme von Nivea mehr als doppelt so viel wie die Tagescreme für normale Haut und immerhin 14-mal mehr als die einfache Nivea in der blauen Dose. Allein im vorigen Jahr gaben hauptsächlich Frauen etwa 1,4 Millionen (Mark) für die Gesichtspflege aus, davon rund 360000 (Mark) für Antifaltenprodukte. Zwar haben diese prozentual nur einen relativ geringen Anteil am Gesamtsegment, dafür sind sie aber meist überdurchschnittlich teuer.
Hoffen auf die Wissenschaft
Schon der bloße Glaube an Wunderwirkstoffe lässt das Spiegelbild oft jünger erscheinen. Ein Drittel der Testpersonen war davon überzeugt, dass ihre Falten in der Tat weniger geworden sind. Dabei wussten die Frauen nicht, was Antifaltencreme war und was nicht. Ein kleiner Trost für geschundene Frauenseelen: Bei einzelnen Testpersonen haben unsere Prüfer eine Minderung der Falten von bis zu 50 % gemessen, zum Beispiel von 0,2 aauf 0,1 Millimeter. Es gab aber vereinzelt auch Frauen, deren Falten stärker waren als zuvor. Außerdem besteht ein entscheidender Unterschied zwischen dem Mindern vorhandener Falten und dem Vorbeugen gegen neue. Nach Meinung unserer Experten gibt es durchaus wirkstoffe wie Coenzym Q 10 oder Retinol, die vor ferien Radikalen schützen und das Altern der Haut hinauszögern können. Entscheidend ist, in welchen Mengen sie in der Kosmetik eingesetzt werden (dürfen) und ob die Basis der Creme gut genug ist, um sie in die Haut zu schleusen.
Klar ist: Keine Creme kann bislang Falten beseitigen. Und eine wissenschaftliche Studie, die beim Menschen nachweist, dass Anti-Aging-Cremes das Altern dewr Haut zumindest hinauszuzögern, gibt es auch noch nicht. Für all diejenigen, die den Traum von der weigen Jugend trotz dieser Ergebnisse auf gar keinen Fall begraben wollen, gibt es aber immer noch eins : Das Prinzip Hoffnung.
