Enthaarungscreme und -schäume: Besser mit Messer
Sommer, Sonne, nackte Haut- behaare Blöße ist da kaum gefragt. Lästige Haare zu entfernen war früher eine langwierige Sache. Heutzutage geht es ganz fix.
Schabmesser, Ätzkalk, heiße Asche- als Mittel zur Haarentfernung klingt das drastisch, ist aber längst Geschichte. Ebenso die altägyptische Methode, die jewaligen Stellen des Körpers mit trockenen Papyrusblättern abzureiben. Anderes hingegen hat sich gehalten: klassische Ausreißhilfen wie Waschstreifen, aber auch fester werdende Zuckerpasten.
Schnelles, sanftes Enthaaren von Beinen, Achseln und manchmal auch anderen Hautregionen verheißen heutzutage Cremes und Schäume. Es wurden die Mittel der modernen Chemie geprüft, als Vergleich diente die konventionelle Nassrasur. Das èrgebnis war für alle Beteiligten eine Überraschung: Denn es ist offenbar ein Märchen, dass Haarentfernung per Chemie gründlicher funktioniert oder gar deutlich länger hält. Rasieren kam bei den Frauen in der praktischen Prüfung insgesamt besser an- vor allem, weil es einfach schneller geht. Wer dagegen seine Beine rasiert, ist damit kaum länger als eine Minute beschäftigt, das Auftragen des Pasierschaums nicht mitgerechnet.
Ganz anders bei den Enthaarungscremes oder -schäumen. Sie müssen erstr mal einige Zeit auf die Hornsubstanz im Haar, das Keratin, einwirken. Erst wenn das hinreichend geschädigt ist, lassen sich zusammen mit der Creme auch die Haare von den jewaligen Hautpartien mit einem Schaber entfernen.
Nach den Gebrauchsanweisung können fünf Minuten Einwirkzeiten reichen: Im Test wurden meist eher zehn daraus. Alles im allem kamen die Testpersonen mit dem Abschaben des Gemischs aus Cremes und geschädigten Haaren und dem Abspülen der Cremereste von den Beinen gut und gern auf 12 bis 15 Minuten fpr eine komplette Entfernung.
Rasieren hält genauso lange
Für diesen Test hantierten jeweils 30 Frauen pro Produkt mit Schaum oder Gel. Das Ergebnis: An den Beinen klappte die Haarentfernung (Wirksamkeit) überwiegend ,,sehr gut"- ohne weitbewegende Unterschiede von Produkt zu Produkt. Direkt nach dem Entfernen waren höchstens noch per Leuchtlupe einige Haare auszumachen.
Nach drei Tagen wurde dann im Labor erneut kontrolliert. In praktisch allen Fällen zeigte sich jetzt schon Nachwuchs an den Beinen, egal, ob sie nun per Rasur oder Chemie geglättet worden waren. Dass Haare nach der Anwendung von Cremes ooder Schäumen besonders weich nachwachsen, ist offenbar ebenfalls ein Grücht. Nach sieben Tagen jedenfalls waren die nachkommenden Haare nicht nur sichtbar, sondern auch fühlbar geworden, mehr oder weniger stoppelig, und zwar ohne große Unterschiede zwischen Rasur und chemischer Entfernung.
Rasieren klappt an den Beinen leicht und relativ problemlos, wenn man sich einigermaßen geschickt anstellt. Weder Rasur noch Chemie hinterließen auf den Beinen nennenswerte unangenehme Supren für längere Zeit. Andersherum gesagt: Die meisten Frauen hatten hinterher ein ,,gutes" Hautgefühl, von seltenen Ausnahmen wie geringer Hautrötungen oder leichtem Juckreiz abgesehen. Wobei das Rasieren insgesamt besser abschnitt. Dass dabei hin und wieder ein wenig Blut fließt, kann allerdings auch Geübten schon mal passieren.
Empfindliche Achseln
Haare an nackten Beinen oder nicht- das ist reine Geschmackssache. Haare unter den Achseln haben aber möglicherweise einen Sinn. Eine These lautet, die Haut werde durch die Haarpolster besser belüftet, das Schwitzen so erträglicher, da die Haare eine größere Verdunstungsflächjse für den Schweiß schaffen. Andere halten dagegen die Achselhaare vornehmlich für eine Bakterien-Brustätte, die Schwießgerüche nur verstärkt.
Wer es lieber glatt mag, hat unter den Achseln mehr Mühen als an den Beinen, und zwar mit der Chemie ebenso wie mit dem Rasierer. Denn unter den Armen ist dier Handhabung schwieriger und die Haut empfindlicher. Die Folgen sind eine weniger gründliche Haarentfernung und öfter mal gereizte Haut. Das gilt vor allem für cremes und Schäume.
Hautverträglichkeit
Zugegeben, die Gebrauchsanweisungen enthalten Warnhinweise wie ,,enthält Alkali". ,,Erblindungsgefahr". Auffälliger liest sich jedoch Positives wie ,,enthaart empfindliche Haut sanft und wirksam", ,,Hautverträglichkeit dermatologisch bestätigt". Daran gemessen, wurden Sanftheit gelegentlich gründlich vermisst. Was wirkt, ist immer dasselbe, nämlich Thioglykolsäure. Sie greift nicht nur die Haare an, sondern auch die Haut. 5% dieses Wirkstoffs dürfen höchstens drin sein. Weniger wäre vielleicht nicht so wirksam, vermutlich aber besser für die Haut. Der können auch pflegende Inhaltsstoffe nützen. Woolworth Marvital wirbt für seine Enthaarungscreme beispielsweise mit honig. allerdings stecken nur 0,5 % in der tube. Ob es das bringt? In der Verträglichkeit ist Marvital jedenfalls nicht besser als die meisten anderen Produkte.
Beinen macht der Generalgriff auf Haut und Haar offenbar kaum etwas aus. Nur der Veet-Enthaarungsschaum- inzwischen laut Anbieter mit geänderter Rezeptur- schnitt schlechter ab. Anders die empfindliche Region unter den Achseln. Bei praktisch jedem Produkt gab es Klagen über Nebenwirkungen wie Rötung, Juckreiz und Brennen, vereinzeit auch eine länger dauernde Schwellung oder blutrote erscheinende Haarwurzeln.
Und das, obwohl alle Frauen einen Verträglichkeitstest gemacht hatten, der in den Gebrauchsanweisungen der Produkte empfohlen wird. Dazu trugen sie die Creme in der Elenbeuge auf und warteten 24 Stunden, ob Hautrötungen auftraten. Offenbar reicht dieser Test nicht in jedem Fall. Mögliche Gründe: Die immer leicht feuchte Achselhaut ist noch empfindlicher als die Ellenbeuge, vor allem wenn eine mechanische reizung durch das Abschaben der Haare dazukommt. Die Folgen können Brennen, Jucken oder andere Unannehmlichkeiten sein.
Wenn's in der Nase beißt
Der Wirkstoff kann auch die Nase reizen. Mancher Frau stanken die Cremes und Schäume regelrecht: ,,Zu chemisch", ,,leichter Schwefelgeruch", ,,streng", ,,beißend"- so lauteten einige Kommentare. Am wenigsten Kritik mussten die Cremes von Veet Sensitiv Plus und Woolworth Marvital einstecken.
