Intensivtönungen: Haarscharf daneben
Ein zwiespältiges Ergebnis: Wenn Rot nicht richtig rot wird und Dunkelblond eher dunkel als blond, kommt keine Freude auf. Doch sonst waren die Fragen mit den Intensivtönungen ganz zufrieden.
Ein farbiges Wunder erlebten einige 120 Frauen, die für test die Köpfe hinhielten. Denn die frisch getönte Haarpracht entpuppte sich nicht immer so, wie es die Verpackung verhieß. Bei der Hälfte der Testprodukte ging es um Dunkelblond, die anderen Intensivtönungen versprachen modische Rottone.
Den richtigen Ton zu treffen, fiel mit den dunkelblonden Farbvarianten leichter. Sie bekamen am häufigsten ein ,,Gut" für die farbgenauigkeit im Vergleich zu den Ankündigungen auf der Packung.
Bei den Rottönen gingen die Beurteilungen der Farbgenauigkeit sehr viel stärker auseinander: Einerseits schnitt Mahagoni von Guhl Living Colors am besten ab; andererseits gab es sonst kein ,,Gut" und bei Wella Viva Grenadine größere Abweichungen.
Wer mit seinen Haaren hadert, greift fern in die Farbtöpfe der Kosmetikindustrie. Intensivtönungen peppen den Schopf farblich auf und helfen in gewissen Granzen auch gegen Grau. Sie sind eine Art Zwischenlösung: haltbarer und gründlicher als simple Tönungen, aber nicht so intensiv wie Haarfarben, an die sich manche Frau nicht so recht wagt. Denn Chemie auf dem Kopf kann den Haaren auch schaden.
Fast eine Färbung
Doch chemisch gesehen ist der Unterschied zwischen Intensivtönungen und Haarfarbe gar nicht so groß. Die Grundrezeptur der Emulsion ist praktisch dieselbe wie bei Haarfarben. Und das heißt ganz grob: Farb(vor)stoffe wie Toluylendiamin; Entwickler inklusive Wasserstoffperoxid, damit die Farbvorstoffe zu Farbe oxidieren; Pflegesubstanz, um die Schuppen der durch die Färbung aufgerauten Haare wieder zu schließen. Denn jede Intensivtönung oder auch Färbung ist ein Angriff auf die Haarstruktur. Nicht umsonst wird den Packungen meist eine Pflegespülung beigelegt. Was sich auch bewährte: Glanz, Griff und Kämmbarkeit waren direkt nach dem Tönen im Wesentlichen in Ordnung. Und das bleibt auch während der folgenden viel Wochen so, in denen sich die Frauen die Haare täglich wuschen, wobei sie auch Pflegespülungen verwendeten.
Zwei Friseure benurteilten nach diesen viel Wochen die Haltbarkeit der Tönungen: die Farbveränderungen, die Gleichmäßigkeit der Färbung und die Grauabdeckung. Um den reinen Farbverlust ging es uns bei diesem Kopf-an-Kopf-Rennen nicht. Schließlich spielen dabei individuelle Wünsche mit. Manche Frau ist gannz froh, wenn das etwas peppigere Dunkelblond oder Rötlich.Braun länger bleibt und sie auf ihren langen Locken nicht so bald Farbe nachlegen muss. Andere freuen sich, wenn die Intensivtönung schneller schneller wieder geht, schtbar wie im Kontrast zu einer richtigen Färbung.
Dass die Intensivtönung mit der Zeit nachlässt, weiß man. Doch man rechnet nicht damit, dass die Farbe abdriftet. Die dunkelblonden Tönungvarianten waren bei Prüfpunkt Farbveränderun stabiler, hier gab es durchweg ein ,,Gut".
Gründlich gegen Grau
Bei den Rottönen schnitten nur ,,befriedigend" ab. Von den grauen Haaren war direkt nach der Tönug höchstenns noch ein Schimmer zu sehen, und zwar egal, ob die Packungen nur eine 50- oder gar 70-% Grauabdeckung versprachen. Im Lauf der Zeit ließ das vor allem bei den Dunkelblondvarianten ein wenig nach.
Mut zur Farbe? Den braucht man, wenn man sich zum ersten Mal an Farbexperimente wagt. Denn die verschiedenmen Bezeichnungen im Laden für Tönung, Intensivtönung und Farbe arten leicht zum Verwirrspiel aus. Bei einer Tönungswösche zum Beispiel könnte es sich um eine simple Aufziehtönung handeln oder auch um eine längere haltende Intensivtönung. Und wer ahnt schon, dass eine ,,Milde Balsam Coloration" eine Intensivtönung ist, also nicht so lange halten soll wie eine Pflege-Creme-Coloration, die zu den Farben zählt?
Hilftreich ist die Einteilung in Haltbarkeitsklassen, auch wenn sie nciht ganz einheitlich ist. Nur bei den Farben- Haltbarkeitstufe 3- fanden wir immer dieselbe Angabe auf der Packung: Dauerhaft. Bei den Tönungen-Haltbarkeitsstufe 1- gibt es Versprechen wie ,,hält sechs bis acht Wäschen", aber auch die schichte Ankündigung ,,auswaschbar". Reinlich gemischt pränsentiert sich die Kategorie unserer Testprodukte, die Halbbarkeitstufe2. Mal scheint die Zahl der Haarwäschen entscheidend zu sein ( ,,hält ca. 24 Wäschen"), mal die Zeit ( ,,hält viel bis sechs Wochen" ), mal wird ,,lang anhalteend" versprochen. Dazu kommt, dass sich diese Intensivkönungen ja nicht schlagartig aus dem Haar verabschieden, sondern langsam schwinden. Bedeutet eine Haltbarkeit von sechs Wochen nun, dass dann noch 50 % der Ursprungstönung sichtbar sind 40 oder vielleicht noch 75 %?
Nur Hellblond wird rot
Die nächste Hürde ist die Farbfindung. Orientierungshilfen sind da gelegentlich mehr als knapp. Mache Produkte bieten nur die Haarfarbe des Fotomodells auf der Packung als Anhaltspunkt, dazu verbale Aussagen. So wurden die simple Beschreibung ,,besonders geeignet für hollblondes bis hunkelblondes Haar" gefunden (Poly Color Tönungs-Wäsche, inzwischen mit ausführlichen Angaben) oder den Hinweis auf ,,dezente" Farbveränderung des Ausgangtons (Wella Viva). Doch die auf der Packung verheißene Tönung war bei Wella Viva Grenadine mit den erwähnten Ausgangstönen gar nicht zu erreichen. Das klappte im Test nur mit Hellblond.
Vergleichsweise ausführlich präsentiert sich die Farbskala bei Movida. Am besten helfen Farbplatten mit Haaren zum Vergleich, wie man sie mit etwas Glück ins Geschäft findet. Obwohl auch das noch Raum für Enttäuschungen lässt: Denn die Kunsthaare auf der Platte sehen bei Kunstlicht selten extrakt so aus wie natürliche Haare bei Tageslicht.
TIPPS
•Nicht heller. Keine Intensivtönung kann den Naturton der eigenen Haare aufhellen.
•Finden. Den Farbton der eiegnen Haar einzuschätzen, ist sehr schwierig, aber wichtig für das Tönungsergebnis. Schneit euch eine kleine Strähne Heraus. Damit findet ihr im Laden den gewünschten Ton auf der Farbkarte mit Kunsthaaren leichetr.
•Schützen. Ein dunkles Handtuch um die Schultern fängt tropfende Tönungsemulsion auf. Hinterher gleich ab damit in die Waschmaschine.
•Cremen. Ein Streifen fetthaltiger Creme an Stirn und Gesichtsseiten hindert Dünnflüssiges daran, ins Gesicht zu laufen.
•Variieren. Wenn ihr mit dem Tönungsergebnis nicht zufrieden seit: Strähnchen lassen das Haar lebendiger und/ oder heller aussehen. Wella Viva bietet zusätzlich einen Farbentferner, um zur ausgangsfarbe zurückzukehren. Das klappte beim Neuheitentest allerdings nicht vollständig.
•Strähnchen. Auch die könnt ihr mit Spezialprodukten selber machen. Sie sind auch nach der nächsten Intensivtönung heller.
•Entfernen. Anfärbungen am Haaransatz lassen sich mit Alkoholpads aus der Apotheke mildern. Manchmal hilft auch Zitronensaft.