Antischuppenshampoos: Schnee von gestern
Schuppen schaffen viel Verdruss, wenn sie unübersehbar auf den Schultern landen: Ich sage euch, welche Shampoos am besten dafür sorgen, dass es nicht mehr vom Kopf rieselt.
Jeder Mensch hat Schuppen auf dem Kopf. Nur sieht man sie meist nicht, weil sie nicht sichtbar auf den Schultern landen. Im Normalfall sind diese Schuppen winzig klein und verschwinden bei der Haarwäsche im Abfluss oder werden unbemerkt herausgekämmt. Zusammen mit anderen Hautpartikeln, die sich am ganzen Körper abschliefern, bilden sie dann einen beträchtlichen Teil des Hausstaubs.
Doch bei rund 40 % der Bevölkerung läuft das anders. Da rieselt es sichtlich vom Kopf, da werden die Schuppen auf den Schultern zum uunübersehbaren Ärgernis. Das Problem hat meist nichts mit einer Krankheit zu tun, es ist rein kosmetisch, beruhigen die Hautärzte. Was die Betroffenen selten tröstet.
Etwa 40 % der Bevölkerung- das sind in Deutschland immerhin einige Millionen Menschen, denen schuppenfreie Schultern einiges wert wären. J Kein Wunder also, dass die Industrie die Regale mit speziellen Shampoos, Spülungen, Wässerchen und anderem mehr füllt.
Dass dabei die Preise gewaltiug differieren, verwundert ebenso wenig. Discounter verlangen für ein Shampoo einen Bruchteil dessen, was der Apothelker kassiert: Fpür 100 Milliliter eines ,,guten" Spezialshampoos kann man 27 Cent zahlen, aber auch mehr als 10 Euro. WEs wurden 14 Antischuppenshampoos unter die Lupe genommen und vor allem ihre Wirksamkeit untersucht. Dafür mussten 140 Frauen und Männer ihre Köpfe hinhalten und sich mehrere Wochen lang regelmäßig dmit einem Shampoo waschen, das eine Wirkung gegen Schuppen auslobt. Danach wurde die Wirkung optisch beurteilt, die Schuppenmenge außerdem gemessen.
Kein Shampoo unwirksam
Daserfreuliche Resultat: Kein Shampoo war unwirksam, der Schuppenbefall wurde in allen Fällen wesentlich reduziert, und zwar offenbar unabhängig davon, welcher Wirkstoff in dem Antischuppenmix steckte. Trotzdem ergaben sich Unterschiede von Marke zu Marke, und zwar nicht nur bei der Wirksamkeit der Shampoos, sondern auch bei den Nebenwirkungen, genauer gesagt bei dem Zustand der Haare nach der Behandlung.
Im besten Fall war aus einem straken Schuppenbefall ein leichter geworden, hatte sich die Schuppenmenge in den sechs Wochen um etwa die Hälfte reduziert. Aber auch in weniger guten Fällen waren die Schuppen immer noch deutlich weniger geworden.
Dabei wirken manche Shampoos relativ schnell. Bei Head & Shoulders beispielsweise war das insgesamt recht gute Ergebnis schon nach drei Wochen sehr nahe am Durchschnittwert, der nach sechs Wochen am Ende der Prüfungen registriert wurde. Ähnlich war der Verlauf bei Canesten, das ausschließlich in Apotheken zu haben ist. Bei anderen Shampoos- wie Organics- machte sich die Wirkung erst so richtig am Ende des Prüfzeitraums bemerkbar, bei wieder anderen wurde es in kleinen Schritten besser.
Dass sich auch Schuppen individuell verhalten, wurde ebenfalls deutlich. Denn es kam immer wieder mal vor, dass ein Shampoo bei einer Prüfperson hervorragend wirkte, bei einer anderen dagegen nicht so recht anschlug- Unterschiede, die wir berücksichtigt haben.
Nichts für immer und ewig
Selbst das beste Shampoo schafft es aber nicht, dass der Schnee auf den Schultern endgültig von gestern ist. Denn die Ursache der Schuppen kann kein Shampoo beseitigen, nur deren Zahl reduzieren, das heißt an den Symptomen herumkurieren. Anders gesagt: Man kann höchstens zeitweise ein normales Haarwaschmittel benutzen. Nach einigen Wochen rieselt es wieder wie zuvor.
Zwischendurch die Haare mal mitz einem anderen Shampoo waschen zu wollen, könnte einigen in den Sinn kommen. denn die antischuppenshampoos sind nicht durchweg eine Wohltat. Als Nebenwirkung können sie nach einiger Zeit zu einem fettigeren Schopf führen. Mehrere Theorien versuchen das zu erklären: Möglicherweise fehlen nach der anwendung der wirksamen Shampoos die Schuppen, die sonst das Fett aufsaugen; oder die Fettproduktion der Kopfhaut wird angeregt, was trockenere Schuppen reduziert, aber die Haare eben fettiger erschienen lässt. Während unserers Test gab ees über fettigere Haare allerdings keine Klagen. Wahrscheinlich deshalb, weil diese Nebenwirkung- wenn überhaupt- erst nach sehr viel mehr Wochen auftritt.
Was aber durchweg deutlich wurde, war eine gewisse statische Aufladung nach der anwendung der Antischuppenshampoos. Diesen Effekt fkiuegender, frisch gewaschener Haare können Stylingprodukte, wie ein wenig Gel, einschränken. Als weitere Nebenwirkungen zeigte sich vor allem bei den Apothekenprodukten eine schlechtere Kämmbarkeit. Nass wie auch trocken boten die Haare dem Kamm einigen Widerstand, statt sanft hindurchzugleiten.
Was gegen die Schuppen hilft
Es ist schon ein wenig paradox: Über die Ursachen für Schuppen ist man sich noch längst nicht einig. Trotzdem ist klar, was dagegen hilft, solange es sich um ein kosmetisches Problem handelt. Und das sind- gelegentlich kombinierte - Substanzen wie Pirocton Olamin, Climbazol oder Zinkpyrithion.
Diese Wirkstoffe behaupten sich schon seit einiger Zeit auf dem Markt. Sie wirken gegen Mikroorganismen (antimikrobiell) bezieungsweise gegen Entzündungen oder hemmen die Zellteilung. Das tun auch konventionelle schwefelhaltige Stoffe, die sich aber in früheren Untersuchungen der STIFTUNG WARENTEST insgesamt als weniger wirksam erwiesen und die in den Produkten dieses TEsts nicht vertreten waren.
Aus der Reihe tanzt der Antischuppenmix von Herbal Essences. Als einziges der getesteten Shampoos basiert es auf dem Wirkstoff Salizylsäure. Die beeinträchtigt ebenfalls die Vermehrung von Mikroorganismen und wirkt gleichzeitig schuppenlösend. Etwas andere Wirkstoffe hatten die beiden exklusiv in Apotheken vertriebenen Produkte Canesten und Stieprox, die ebenfalls für kosmetische Schuppenprobleme gedacht und auch nicht verschreibungspflichtig sind.
Probehalber haben wuir ein Shampoo aus der Apotheke mitlaufen lassen, das ausdrücklich gegen fettige Schuppen helfen soll. Bei unseren Prüfpersonen mit durchschnittlichem Schuppenbefall wirkte es aber eher schlechter als manch andere Shampoo.
TIPP
•Spart euch ruhig das viele Geld für spezielle Antischuppenshampoos aus der Apotheke. Es sei denn, euer Arzt empfiehlt nach einer Diagnose exakt dieses Shampoo. Dem Laien fällt es ja schon schwer zu erkennen, ob er trockene oder fettige Schuppen hat.
Übrigens: Antimikrobielle Wirkungen werden auch einigen pflanzlichen Wirkstoffen wie Brennesselextrakten nachgesagt. Und dann gibt es diverse alternative Empfehlungen von Eigenurin über Erdnussöl- zu äußerern Anweundungen- bis zu Stiefmütterchenextrakt, wahlweise zum Tricken oder zum Auftragen auf das schuppengeplagte Haupt.
TIPPS
•Geduld zeigen. Antischuppenshampoos brauchen Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Drei Wochen solltet ihr mindestens warten, besser sind sechs.
•Shampoo wechseln. Nicht jedes Antischuppenshampoo wirkt bei jedem gleich. Probiert eventuell ein anderes Produkt, wenn die erhofffte Wirkung ausbleibt.
•Zum Hautarzt gehen. Wenn ihr gart nicht auf ein Antischuppenshampoo ansprecht, kann eine Hautkrankheit vorliegen. Konsultiert einen Dermatologen.
•Andere Produkte. Es gibt gegen Schuppen auch Kombishampoos mit Pflegewirkung. Ihr könnt es außerdem mit speziellen Haarwässen versuchen. Da sind die Wirkstoffe niedriger dosiert, weil sie ja länger auf dem Kopf bleiben.
•Reizung testen. Möglicherweise hilft es auch, erst einmal das normale Haarshampoo zu wechseln. Dann manchmal äußert sich die Unverträglichkeit eines Inhaltsstoffs dircj eome Kopfhautreizung, die mit Schuppen einhergeht.
•Nicht täglich. Wer sich täglich den Kopf wäscht, sollte nicht jedes Mal zum, antischuppenshampoo greifen, sondern abwechselnd ein mildes Normalshampoo benutzen.
•Sonne suchen. Im Sommen sind die Schuppen in der Regel weniger als im Winter. Mögliche Gründe: die Sonnenbrstrahlung und / oder eine unterschiedliche Mikroflora der Kopfhaut.