[Ayurveda- grenzenlos göttlich] »Energie durch Ernährung
,,Manche Menschen achten bei ihrem Auto mehr auf die Qualität des Fotoröls als bei ihrem Essen auf die Qualität des Salatöls", stellt der Mediziner und deutsche Ayurveda- Experte Dr. Ulrich Bauerhofer fest. In der indischen Heilkunst gilt die Nahrungsaufnahme als Gesundheit, aber auch als Energie, Lebenfreude und Vitalität. ,,Aus dem was wir essen, bauen wir unseren Körper", erklärt der Arzt. Aus Spaghetti werden Ohren, aus Gemüse Leberzellen und aus Fleisch entwickelt sich das Skelett. "Deshalb ist es so wichtig, dass wir Qualität zu uns nehmen. Doch nicht nur das ,,Was", sondern auch das ,,Wie" des Essens ist entscheidend. Einige Faustregeln:
▷Niemals beim Essen eiskalte Getränke zu sich nehmen, denn für die Verarbeitung der Nahrung sind Enzyme notwendig, die nur bei Körpertemperatur optimal arbeiten.
▷Die Hauptmahlzeit sollte mittags sein, weil dann ,,Agni", das Verdaaungsfeuer, am stärksten brennt. Da schweres Essen erschöpft, solltet ihr abends auf keinen Fall Rohkost und zu viel Eiweiß zu sich nehmen.
▷Speisen möglichst warm und frisch zubereitet essen. Dosen-Food und Fertiggerichte sind tabu, da ohne Vitalkraft.
▷Möglichst alle sechs ayuevedischen Geschmacksrichtungen in einer Mahlzeit berücksichtigen: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und zusammenziehend.
▷Keine Zwischenmahlzeiten.
▷Die Menge des Essens sollte immer nur so groß sein, dass sie in die geöffneten (eigenen) Hände passen würde.
▷Dosha-gerecht essen.
KLEINER KANTINEN-KNIGGE
Nicht jeder hat die Möglichkeit, alle Mahlzeiten nach ayurvedischen Prinzipien selbst zubereiten. Ein kleiner Leitfaden, wie man dosha-gerecht in Restaurants und in Bürokantinen essen kann:
▷VITA-LUNCH
Italienisch: Ideal sind alle Arten von Pizzen, Nudeln mit einer leichten Käse- oder Sahnesauce und Artischockenrisottos. Vermeidet Spinat und schafte Gewürze.
Chinesisch: Greift zu vegetarischen Chop-Sueys, süßsauren Suppen, Glasnudeln und Frühlingsrollen. Auf scharfe Gewürze und Kohlgemüse solltet ihr besser verzichten.
Grichisch: Perfekt sind aufläufe, Eitöpfe, Tomatenreis und Schafskäse.
Indisch: Milde Gemüsecurrys sind ausgesprochen wohltuend; zu den NoNos zählen Spinat, Erbsen und Kartoffeln.
Kantine: Freut euch auf Käsespätzle, Pfannkuchen, Spargel, Reisgerichte, Hefeknödel, Spaghetti und Gemüse.
▷PITTA-LUNCH
Italienisch: Stärkend sind alle nicht zu scharfen Nudelgerichte, jegliche Form von antipasten, Bruschetta und Käse.
Chinesisch: Es darf jedes Gericht gegessen werden, wenn es nicht zu sauer ist.
Grichisch: hier haben Gemüseeintöpfe, Verspeisenteller und mit Käse überbackene Gemüsegerichte heilende Wirkung.
Indisch: Mide reisgerichte sind optimal, ebenso indische Brote mit Saucen.
Kantine: Reiberdatschi, Knödel und Rotkraut, Gemüse in allen Varianten, Gratins und Salate geben Kraft.
▷KAPHA-LUNCH
Italienisch: Alle Gemüse, die entwässern (wie Spinat, Brokkoli, Spargel), Risottos, Nudeln (gern scharf) und Minestrone.
Chinesisch: Scharfe Suppen, Salate, Frühlingsröllchen mit einer Chilisauce, Kohlgerichte, Glasnudeln und Reis.
Indisch: Alles, sofern die Speise nicht fettig ist. Verzichtet auf Panier und Chapatis.
Kantine: Hervorragend sind Sauerkraut, Kartoffel- und Kohlgerichte, Spinat mit Ei, Spargel, Gemüseeintöpfe und -aufläufe.
AYURVEDA FÜR ALLE
Dr. Ulrich Bauhofer, Chefarzt und Ayurveda-Experte im hotel ,,Parkschlösschen" in Traben-Trarbach, wurde über den gesundheitlichen und verschönernden Aspekt einer ayurvedischen Lebensweise befragt:
▷Was bewirkt eine Panchakarma-Kur?
Dr. Bauhofer: Eine Entgiftung des Körpers, vor allem von fettlöslichen Giften. Drei Quellen gibt es, die im Körper ,,Müll" ansammeln: Zuerst die chemikalienfracht von außen; jeder von uns nimmt fortwährend etwa 100 000 giftstoffe durch die Nahrung, über die Luft durch die Haut auf. Dann werden zweitens bestimmt Nahrungsmittel nicht richtig in den Stoffwechsel integriert. Die Folge ist eine Bildung von Schlackenstoffen. Und drittens findet täglich im Körper ein Umbau von 600 Milliarden zellen statt. Bei diesem Prozess bleiben Substanzen übring, die nicht entsorgt werden können. Sie blockieren den reibungslosen Fluss im Körper, der erst eine beständige Gesundheit gewährleistet.
▷Wem wird eine Panchakarma-Kus empfohlen?
Jedem! Denn auch jedes Auto braucht einen Ölwechsel, damit der Moto läuft. Ein Körper funktioniert nicht anders. Doch besonders hilfreich ist diese Kur zur Wiederfindung der eigenen Balance bei gestressten Menschen. Soe nützt ebenso bei chronischen Krankheiten, dient aber auch zur Vorbeugung und ist selbst nach Krebsbehandlungen wie einer chemotherapie sehr zu empfehlen. Im Verlauf einer Panchakarma-Kur wird die Stressesistenz in kürtester Zeit effektiv erhöht.
▷Wirkt Ayurveda denn eigentlich auchf ohne Panchakarma-Kur?
Absolut! Das Prinzip der ayurvedischen Heilmethode gleicht dem der Chaosforschung: In einem komplexen System können auch durch kleine, imple Turbulenzen und Änderungen dramatisch große Wirkungen erzielt werden.
▷Welches ist Ihr wichtigster Tipp für Ayurveda-Einsteiger ?
Ganz simpel: Abends nicht zu schwer essen. Wenn das mal nicht geht, dann am folgenden Morgen das Frühstück auslassen. Die faustregel: Nie essen, bevor man die letzte Mahlzeit nicht verdaut hat. Und nie so viel zu sich nehmen, dass man danach müde ist. Wichtig ist außerdem, vor allem für gestresste, sich genügend Ruhe und Schlaf zu gönnen. Regenerationsphasen sind umso wichtiger, je mehr Stress man hat.
