Schlankheitsmittel: Pillen gegen Polster

Veröffentlicht auf von laavidaahaamburg

,,Schlank in Rekordzeit", ,,Die Pille, die das Fett auflöst", ,,Gewichtsverlust durch einfaches Einatmen": Anbieter von Schlankheitsmittel versprechen das Blaue vom himmel. Ich sage euch, was drin und was dran ist.

 

Anna T. hat es geschafft ,,22 Pfund weniger in zwei Wochen", und das ,,ohne Diät, ohne Sport, ohne Chemie". Nachzulesen ist ihre Erfolgsstory in vielen Boulevardblättern. Auf eine Anzeigeseite natürlich. Was genau drinsteckt in der ,,neuen Schlankheitskapsel", die Anna T. geschluckt hat, erfährt der Leser nicht.
Ihr findet Annas Geschichte unglaubwürdig? Ich auch. Doch beim Wunsch, schnell paar Kilo loszuwerden, verhilft das Prinzip Hoffnung den herrstellern von Schlankheitspillen allein in Deutschland zu einem Umsatz von mehreren hundert Millionen Euro im Jahr- schlankheitsdrinks und sonstige Mittelchen nicht mitberechnet. Und weil die Wirkungslosigkeit vieler Produkte meist schnell klar wird, tauchen in rascher folge immer neue Wundermittel auf dem Markt auf.
Solche Mittel bekommt man vor allem in Apotheken, über Direktversand und auch per Internet. Die Preisspanne ist gewaltig: Für diverse Pillen und Kapseln zahlt man bei einem Test vor zwei Jahren umgerechnet zwischen einem und 100 Euro. Auffällig: Die Phantasiepreise, stellservice geordert wurden, schlugen die ansonsten berühmt-berüchtigten Apothekenpreise deutlich.

 

Fragwürdige Fettfresser
Viele Produkte versprechen, dass sie den Fettstoffwechsel ganz geezielt beeinflussen beziehungsweise die Speckpolster genau dort auflösen, wo die Mode sie nicht will: rund um Bauch, Hüften, Po und Oberschenkel. Ein schöner Traum, dem die Gesetze der Natur leidet nicht folgen: Abnehmen kann nur, wer weniger isst, als er (ver)braucht. Erst wenn nicht genügend Kalorien (Energie) zugeführt werden, nimmt sich der Organismus das nötige Brennmaterial, unter anderem das Fett aus den Polstern- aber auch aus den erwünschten, aus den Busen beispielsweise. außerdem: Wer abnimmt, verliert nicht nur Speck. Auch das Eiweiß, das die Muskelmasse bildet, wird angegriffen. Und wer sich fürs Schlankerwerden nicht viel Zeit lässt und dabei nicht fleißig trainiert, findet schlabberndes Gewebe, wo vorher festigende Muskeln waren.
Hinzu kommt: Werden Muskeln abgebaut, reduziert sich der Grundumsatz- man verbraucht weniger Kalorien. Denn Muskeln sind aktiver am Stoffwechsel beteiligt als Fett. Mit weniger Muskulatur muss man auch nach der Diät beim Essen sehr zurückhaltend sein. Sonst ist der Jo-Jo-Effekt sicher, das Wiederanschnellen des Gewichts nach der Diät. Der Jo-Jo-Effekt wiederum bevorzugt die Fettpolster. Einmal vorhandene Fettzellen bleiben nämlich für immer. Bei einer Schlankheitskur können sie zwar schrumpfen. Aber sie warten nur darauf, schnellstmöglich wieder aufgefüllt werden. Das ist der Werbung versprochene Auflösen der Fettzellen ist physiologisch jedenfalls unmöglich.

 

Meist harmlos, aber auch nutzlos
So fragwürdig die Werbung vieler Schlankheitsmittel, so harmlos ist meist ihr Inhalt. Von Vitaminen, Mineralstoffen, Maisstärke, sekundären Pflanzenstoffen (Flavonoiden), Joghurtkulturen, Enzymen, Blasentang in homöopathischer Dosierung. Pu-Erh-Teepulver, Kombucha-Extrakt, allerlei Kräutern oder Faserstoffen ist in den Dosierungen, die wir fanden, kaum ein Einfluss auf das Stoffwechselgeschehen zu erwarten. Bei einigen Produkten heißt es da schon vorsorglich: ,,zur unterstützenden Behandlung". So bleibt denn auch bei einer eventuellen Gewichtsreduktion offen, welcher Anteil auf die Diät und welcher auf das Präparat zurückzuführen ist. Neben ihrer Nutzlosigkeit haben solche Produkte wenigstens einen Vorteil: Sie sind harmlos. 

 

Vorsicht bei Appetizüglern
Weniger harmlos sind unter Umständen Präparate mit Ephedrin, die den Appetit mindern sollen. Ephedrin hat stimulierende Eingenschaften, erregt das sympatische Nervensystem, kann- insbesondere in Zusammenhang mit Koffein- den Stoffwechsel anregen und den Appetit reduzieren. Im Zweifelsfall ist diese Wirkung aber teuer erkauft. Blutdruckanstieg, Herzjagen und Lungenhochdruck, psychische Störungen wurden schon beobachtet. Ephedrinhaltig ist auch das Krau MaHuang. Präparate mit Ephedrin sind verschreibungspflichtig.

 

Für Schilddrüse und Magen
Algen
und Blasentang enthalten Jod, und das stimuliert die Schilddrüse. Jod im Übermaß bringt den Körper auf Trab und kurbelt den Stoffwechsel, sprich die Verbrennung, an. Das ist zwar wirksam, wenn man abnehmen will- aber auch gefährlich. Jedenfalls dann, wenn man vielleicht eine latente Schilddrüsenpberfunktion hat. Tang und Algen haben noch einen weiteren Effekt: Sie wirken quellend. Der gefüllte Magen schickt an das Sättigungszentrum im hirm das Signal ,,Bin schon satt." Das Maßhalten beim Essen fällt leichter- vielleicht. 

 

Hilfreiche Ballastst4offe
Es gibt einige Präparate, die einen solchen Quelleffekt als Wirkmechanismus abloben. Quellstoffe sind beispielweise Alginsäure, pflanzliche Ballaststoffe und Kohlenhydrate wie Zellulose und Guarkernmehl, aber auch tierisches Kollagen. All diese Präparate sollen den Appetit zügeln und unterstüzend wirken. Manche dehnen sich im Magen aus wie ein Schwamm. Diesen Effekt kann man auch beboachten, wenn man eine Kapsel oder ein Komprimat in ein Glas Wasser wirft. Es gibt auch Anwendungsstudien, nach denen bei Probanden nach Einnahme von Quellmitteln tatsächlich ein gewisses Sättigungsgefühl eintrat mit der Folge, dass sie weniger aßen.

Dass man so den Heiß´hunger ein wenig in Schach halten kann, ist vorstellbar. Ob aber das eigentliche Ziel einer Schlankheitskur erreicht wird, bleibt zweifelhaft. Denn einfach nur FdH (,,Friss die Hälfte") reicht nicht. Es kommt darauf an, Essverhalten und Lebensstil dauerhaft zu ändern: nicht nur weniger, sondern auch das Richtige essen.
Quellmittel können aber auch gefährlich werden. Wenn man vor und bei der Einnahme nicht sehr viel trinkt, besteht das Risiko, dass die aufgeschwemmten Komprimate wie ein Pfropf stecken bleiben oder dass es zu einem Darmverschluss kommt.

 

Einfach entwässern? 
Weniger Wasser, weniger wiegen- das ist das Motto von einigen entwässernden Extrakten.  Da geht es um Birkenblätter, Hauhechelwurzel und Gartenbohnenhülsen, um Gartenbohnen und Wacholderbeeren. Mal abgesehen davon, dass bei diesem Mitteln mit einem effektiven harntreibenden Effekt kaum zu rechnen ist- das Wirkprinzip ist völliger Unfung. Jedenfalls wenn man abspecken möchte. Ausgeschwemmt werden, wenn es denn wirkt, nur Wasser und Mineralsalze- kein Fett, Entwässernde Medikamente sollten auch nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Unter anderem können sie die Gerinnungsfähigkeit des Blutes beeinflussen und stellen denn ein Thromboserisiko dar. Außerdem wird der Elektrolythaushalt des Körpers durch einander gebracht. Und das wiederum kann für das Herz gefährlich werden. Geradezu kontraproduktiv fürs Abnehmen sind enzymhaltige Pärparate, sie helfen eher, die Kalorien besonders gut auszunutzen, Denn mithilfe von Enzymen aus der Ananas, aus Papaya oder Mango kann vor allem das Eiweiß aus der Nahrung gut verwendet werden. 

 

Die Macht der Psyche
Völlig obskur wird es bei Mitteln fpr die äußere Anwendung. Da sollen Kapseln zum Einreiben zu Claudia-Schiffer-Maßen verhelfen (Motto: ,,Die roten verbrennen Fett, die grünen straffen die Haut.") Ein Chip überträgt Schlankheitsinformationen an das Unterbewusstsein. Auchf Selbsthypnose per CD soll helfen. Kontrollierte klinische Studien zur Wirksamkeit solcher Produkte sind uns nicht bekannt. Bleibt die Macht der Psyche. Vielleicht hilft ja die ständige Wiederholung positiver Suggestionen: ,,Ich bin schlank",  ,,Ich mag nur frische, gesunde Kost". Und wer sich gewiss ist, dass der Glaube Berge versetzt, schafft es vielleicht auch mit Pfunden. 

 

TIPPS

Hütet euch vor  Sensationspillen, die in Boulevardblättern beworben werden. Misstraut unrealistischen vorher-nacher-Geschichten mit entsprechenden Fotos. Fast immer handelt es sich hier um Produkte, die mit den Sehnsüchten, Ängsten und Illusionen der Menschen spielen.

Bestellt Schlankheitsmittel nicht über Postfachfirmen, Telefonhotlines oder einen unbekannten Versandhandel- insbesondere nicht aus  dem Ausland. Schlanker wird dabei am ehesten euer Geldbeutel. 

 

ARZNEIMITTEL : VON XENICAL UND ANDEREN PILLEN 

•Das Credo ie Diätpterten lauten: Vor allem das Fett in der Nahrung macht fett.

Xanical.  heißt die vermeintlich Wunderwaffe vom Parmakonzern Hoffemann-La-Roche, die den Verzicht beim Essen erleichtern soll. Der Wirkstoff Orlistat blockiert im Darm das fettabbauende Enzym Lipase, das Fettmolekül in gut verdauliche Bruchstücke zerkleinert. So kann rund ein Drittel des verspeisten Fetts nicht aufgespalten werden und landet unverdaut in der Toilette.

•Zielgruppen  von Xenical sind nicht Menschen mit  ein paar Pfunden zu viel, sondern mit gesundheitsgefährdender Fettleibigkeit. Letzlich muss der Arzt entscheiden, denn das Mittel ist rezeptpflichtig.

•Die Pillen allein bringen es jedenfalls nicht. Nur zusammen mit einer fettarmen beziehungsweise fettnormalisierten Kost macht der Fettblocker Sinn. Wobei die Antifettpille auch pädagogisch wirkt: In verbindung mit üppigen, fettreichen Mahlzeiten führt sie zu fettigen Durchfällen. Außerdem:  Setzt man die Pille ab, droht der frustierende Jo-Jo-Effekt, das Gewicht schnellt wieder in die Höhe. Es sei denn, man behält die fettarme Diät bei und treibt zusätzlich Sport. 

Appetizügler Reductil
Reductil mit dem Wirkstoff Sibutramin von der Firma BASF Pharma entfaltet eine zweifache Wirkung: Zum einen greift es in den Stoffwechsek des Gehirns ein. Über die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin steuert es Appetit und Essverhalten. Zum anderen erhöht es due Stoffwechselrate, der Energieverbrauch steigt.

•Im Gegensatz zu füheren Appetitzüglern setzt Sibutranim die Botenstoffe nicht frei, sondern hemmt ihre Wiederaufnahme durch die Nervenenden. Das Risiko von Herzklappenschäden und Lungenhochdruck- der Skandal um die Appetizügler Fenfluramin und Dexfenfluramin, die weltweit vom MArkt genommen wurden- soll damit eingedämmt sein. 

•Dennoch sind die beobachteten Nebenwirkungen kritisch: Blutdruck und Herzfrequenz können ansteiegn, dadurch auch das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko. Außerdem können Kopfschmerzen, Mundtrockenheit und Verstopfung auftreten. 

 

Picnik-Collage

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